Bevor wir einen Staat bereisen und noch währenddessen, schauen wir, wofür der Staat steht, was typisch ist, was verborgener als offensichtlich ist und entscheiden dann, was wir machen und uns anschauen. Mississippi steht für Baumwolle, Civil Rights, Blues, Southern Comfort Food und hat uns nach der ersten Woche tatsächlich schon unterschiedliche landschaftliche Einblicke geboten.
Die erste Woche war geprägt von Besuchen in Museen, Befahren von historisch wertvollen Straßen und Dümpel-Zeit an verschiedenen Seen. Eigentlich wollten wir an der Küste starten und im Loop gen Norden und wieder zurück fahren. Der Government Shut Down hier hat uns aber ein paar Tage vor Start einen Strich durch die Rechnung gemacht insofern, dass einige unserer Übernachtungsmöglichkeiten auf Plätzen, die national administriert werden, geschlossen wurden. So auch die im Süden an der Küste und wir konnten keinen anderen Stellplatz trotz unserer vielen Quellen finden. Wir nutzen hauptsächlich IOverlander, Harvest Hosts, Passport America und Recreation.gov, um Stellplätze zu finden. In Mississippi gibt es auch National Forests, wo man kostenfrei im Wald stehen kann, aber nicht so viel wie im Westen und leider ist nicht jeder Platz für unser Monster geeignet.
Wir haben also viel gelernt und wahrscheinlich nur einen Bruchteil behalten. Für mich war besonders interessant, die Geschichte der indigenen Völker hier im Süden kennen zu lernen.Unter anderem die Choctaw und Chickasaw, der Natchez Stamm kommt später noch dran, wenn wir in Natchez weiter unten im Süden sind. Die Geschichte zwischen Nord und Süd und Afro-Amerikanern und Weißen ist auch noch einmal vertieft worden.
Wir haben wunderschöne Campingplätze an Seen gehabt, wo wir auch unsere SUPs auspacken und nutzen konnten. Das Wetter hier startete super heiß und schwül (Gerrit hatte schnell wieder Fluchtgedanken!) und hat nun hier weiter im Norden auch mal Nächte, die bei 15 Grad Celsius liegen. Gerrit ist also glücklich und hat sogar sein Kühlpad, auf dem er nachts schläft, ausgemacht!
Vorgestern und gestern haben wir zwei Geburtsstädte gesehen: Tupelo, hier wurde Elvis geboren, und Clarksdale, hier wurde der Blues geboren. Highlight bei Elvis war ein Gottesdienst in seiner alten Kirche, der Gott sei dank nur 25 Minuten und nicht 4 Stunden (wie zu damaligen Zeiten) ging. Zum Schluss zeigten sie ein Video, wie die kleine Kirche auf das Museumsgelände gebracht wurde und noch viele andere interessante Ausschnitte. Gerrits und mein Blick blieb an dem LKW hängen, der die Kirche transportiert hat, und nach 2 Minuten andächtigem Schweigen haben wir uns beide angeguckt und mussten loslachen, weil jeder den anderen dabei ertappt hat, wie er/sie auf den LKW starrt, statt der Geschichte zu folgen...
Clarksdale ist tatsächlich ein sehr kleiner Ort, geprägt durch heruntergekommene Gebäude und man kann sehen, dass die Menschen hier ärmlich leben. Der Blues Club, Ground Zero, der unter anderem Morgan Freeman gehört, war gestern Abend zum Live Auftritt einer Blues Band fast nur von Touristen besucht. Da fühlten wir uns gar nicht so schlecht, denn keiner konnte uns ansehen, dass auch wir nicht von hier sind. Wir wurden nicht einmal auf unseren Akzent angesprochen wie sonst eigentlich überall. Ich denke, außerhalb der Blues Szene lebt der Club von dem prominenten Namen. Die Band war gut und wir hatten selbst gemachtes Pulled Pork, fried Catfish - der ebenfalls typisch hier ist - und ein lokal gebrautes Bier, das sie Octoberfest Bier getauft haben. Naja, ich hatte es, Gerrit ist bei seinem IPA geblieben.
Hier in Clarksdale sind übrigens auch Ike Turner und Sam Cooke geboren worden. Das Städtchen gehört zur Delta Region, die wir uns die nächsten Tage über anschauen. Sie ist geprägt von Landwirtschaft, ganz im Gegenteil zu der Region wo wir vorher waren, die sehr bewaldet und sumpfig war. Es scheint gerade Baumwoll-Erntezeit zu sein und wir wollen gucken, ob wir irgendwo einen Farmer finden, der uns vielleicht mehr erklären oder mal durch seinen Hof führen kann. Heute Abend fahren wir erst einmal auf eine Schweinefarm, die wir über Harvest Host gefunden haben, und kaufen Fleisch und Eier nach (er hat auch Hühner ;-)!).

















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Dorin (Montag, 13 Oktober 2025 20:11)
Woohooo, 'Atomic habits' ist mit auf Reisen gegangen... :-)
Elegante Schwebebalkenversuche.
Die verfallene Kirche erinnert mich aus nirgendwelchen Gründen an "Fried Green tomatos".
Alles toll toll toll! Kussi