Wir haben die letzten Tage Zickzack-Linien mit unseren Routen produziert, die Freunde von uns veranlasst haben zu fragen, ob wir auf Travelmap ein Tier malen wollen :-)! Was denkt ihr, welches Tier soll es werden?
In Wirklichkeit versuchen wir zu dem Zeitpunkt an Standorten zu sein, die dann etwas zu bieten haben und verstreichen uns manchmal die Zeit damit, die in unserem Mississippi Guide hervorgehobenen Höhepunkte zu besichtigen. Und hier kommt jetzt, warum ich die Überschrift gewählt habe, ob Blues ansteckend sei. Es ist uns klar, dass wir in sehr ärmlichen Gegenden unterwegs sind. Was uns aber in den letzten Tagen zu schaffen gemacht hat, war, dass die Dinge, die als Sehenswürdigkeiten verkauft werden, entweder auf der Skala von 10 eine Minus 5 bekämen oder gar nicht mehr vorhanden sind! Selbst der schöne See, den ihr in den Fotos weiter unten sehen werdet, war von bedenklicher Wasserqualität und somit nicht zum Paddeln für uns geeignet.
Mein Highlight der Lowlights war allerdings Yazoo City. Im Guide von 2025 als bunte, lebendige Einkaufsmeile beschrieben (spots like Yazoo City, where pops of color draw you down Main Street and into businesses with merchandise as vibrant as the storefronts they are sold in...). Hm, das was wir vorgefunden haben, war eine menschenleere Straße mit verfallenen Häusern und Halloweendekolichtern auf dem Gehweg, die darauf warteten aufgehängt zu werden. Hier wollte ich lokale Kleinstgeschäfte unterstützen und Cheese Straws und Ubon´s BBQ Soße kaufen. Beides wird/wurde hier von Familienbetrieben produziert und angepriesen. Beides jedoch nicht vorhanden und so habe ich nun nichts zu naschen und keine Soße für mein Schweinekotelette... Ulk beiseite, einfach schade, dass wir dafür extra einen Abstecher gemacht haben und nichts dabei geworden sind. Wir fragen uns nun, was die nächsten "most beautiful, biggest, funniest, blasting" Dinge für uns bereithalten. Aber, wir werden es sehen und geben nichts davon auf! Wir wollten Mississippi erleben, wie es ist und so ist es eben.
Highlights sind jedoch mal wieder die Menschen, die wir so entlang des Weges treffen: unser Harvest Host auf der Schweinefarm (kein Schwein gesehen, aber Fleisch gekauft) und sein Ziehsohn, der 4 Jahre alt und ein so zuckersüßer Junge war, dass ich Tage später immer noch an ihn denke! Oder die Gastgeber, die uns für umsonst für eine Nacht auf ihrem Campingplatz haben stehen lassen, oder der Campingplatz Host, der aus Florida kam und alle Vorfahren Deutsche waren. Oder die zwei Männer, die abends vorbei schauten und uns ganz direkt in ihrem Südstaatenakzent ohne jegliche Emotionen sagten "the more you go west you will see them blacks". Sie meinten damit die Delta Region, die hauptsächlich nach dem Civil War bevölkert wurde und wo viele Afro-Amerikaner ihr Glück als Farmer versucht haben.
Nach einem super interessanten Besuch des B.B. King Museums in Indianola, sind wir nun endlich am Mississippi Fluss angekommen. Wir stehen direkt an dessen Ufern und ich genieße wie eine Katze, die Vögel beobachtet, die Binnenschiffe vom Fenster aus, die tatsächlich auch die ganze Nacht durch fahren. Wir sind hier in Greeneville und das ist die selbst erkorene Hauptstadt für Tamales. Das sind scharf gewürzte Fleisch-in-Maisbrei-Rollen, die in Maisblättern gekocht oder frittiert werden. Es gibt dieses Wochenende ein Festival und wir werden Musik hören und Tamales essen. Heute werden es wieder 30 Grad, wir machen also vorher noch einen gepflegten Sumpf-Spaziergang im Mückenparadies - eben genau das, was der Tourist hier so tut.













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Dorin (Samstag, 18 Oktober 2025 22:08)
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