Nachdem wir mitten in einer "hispanic neighborhood" in San Antonio sensationell gute Bratwurst gekauft haben (10 Pfund!), sind wir glücklich mit unserem Fund Richtung Austin aufgebrochen. Natürlich nicht, ohne unterwegs noch einmal in Country und Western Geschäften einzukehren und uns vernünftige Cowboy Stiefel zu kaufen. Während Gerrit über eine halbe Stunde brauchte, um hübsche Lederstiefel zu finden, ging es bei mir relativ schnell (gut, ich habe dieselben Paare mehrfach vor dem Spiegel betrachtet), denn mein Spann passt einfach nicht in einen echten Leder Stiefel! Da kann man nichts machen... außer, unechtes Leder zu kaufen, das sich dehnt. Gesagt getan, auch ich habe ein Paar gefunden, in das ich nahezu hineinschlüpfen konnte, und wir waren beide glücklich!
In Austin haben wir eine geführte Stadttour gemacht, die uns einige Überraschungen präsentiert hat: Austin war ein Ort, der aus Puffs (Püffen, Puffen oder was auch immer der Plural ist) und Kneipen bestand und dann zur Hauptstadt gemacht wurde. Zweitens, dass es bis 2012 keine Hochhäuser gab, damit man das Kapitol von überall aus sehen konnte. Natürlich ist Austin auch die weltweite Hauptstadt der Live Musik - unter anderem soll Willie Nelson an diesem Ruf schuld sein - und ich muss sagen, die Stadt hat uns beiden sehr gut gefallen. Wir sind auf der South Congress Avenue rauf und runter geschlendert, haben eineinhalb Stunden lang vergeblich in der Kälte auf das Auftauchen der berühmten Fledermäuse von unter der Brücke gewartet, und waren samstagabends in der 6th Street unterwegs, die der Bourbon Street in Nola ähnelt. Leider waren wir früh unterwegs und die Kneipen waren noch relativ leer, aber das hat uns immerhin gute Plätze beim Angucken von Live Bands beschert. Nein, Elon Musk und Matthew McConaughey haben wir beide nicht getroffen, obwohl beide hier in Austin leben. Aber unser echtes Highlight war mit einem selbstfahrenden Auto ("Waymo") zu fahren. Das ging tatsächlich sehr gut und Austin ist neben Atlanta eine der Städte in den USA, die das schon länger haben und wo sich Autofahrer bereits daran gewöhnt haben, dass Autos ohne Fahrer an ihnen vorbeiziehen.
Nach Austin sind wir weiter nach Fredericksburg gefahren. Wieder eine deutschstämmige Stadt im Hill Country, was uns neben einer selbst im Winter hübsch-hügeligen Landschaft auch Weinanbaugebiete beschert hat. Die Stadt selbst ist ein tolles, kleines Städtchen mit Museen, Lädchen an der Hauptstraße, deutschen Restaurants und dem Angebot, mit Alkohol in der Hand offen auf der Straße bummeln zu gehen. Nachdem wir Grobi auf einen Parkplatz am Visitor Center gequetscht haben, sind wir also los und haben Rinderrouladen und Leber mit Pü im "Old German Bakery" gegessen. Sehr lecker und deutsch, dafür haben wir auch eine halbe Stunde auf einen Tisch gewartet. Insgesamt muss ich gestehen, waren wir dreimal auf diesem Shopping-Sträßchen unterwegs, weil es uns so gut gefallen hat. Außerdem gibt es hier die Schlachterei "Opas", die für uns zu teure Bratwurst hatte, aber bei der wir ausgezeichnete deutsche Pfälzer-Leberwurst und Gelbwurst (!!!) gekauft haben. Beides superlecker, die Leberwurst gar nicht so teuer und die Gelbwurst werde ich einfach ohne Brot essen, damit ich sie mehr schätze ;-)!
Übernachtet haben wir unter anderem bei der Luckenbach Hall, die auch eine Institution der deutschen Siedler hier ist. Es gibt Live Musik, Tanz in der Halle, einen Shop und einen Parkplatz voll Autos/Menschen an einem Samstagnachmittag! Obwohl es mitten in der Pampa liegt, kommen seit Jahrzehnten Locals und Besucher hier vorbei, um Musik zu hören, ein Bier zu trinken und die Zeit zu genießen. Willie Nelson und Waylon Jennings sind zwei der bekanntesten Country Sänger, die hier aufgetreten sind. Achtung, Lieder-Tip: unbedingt "Luckenbach, Texas" von Waylon Jennings hören - dann könnt ihr nachhören, wie die Stimmung hier ist (Link weiter unten).
Weil wir etwas später am Samstag erst in Luckenbach aufgekreuzt sind, haben wir "nur" die Live Musik in dem Hinterraum des Shops mitbekommen. Gold wert, wie die Kneipe an der Ecke!! Ein Raum aus dem vorletzten Jahrhundert, ein Sänger mit Gitarre vor drei Reihen kurzen Kirchenbänken für das Publikum und eine Bar mit jeder Menge altem Zeugs an der Wand. In der Mitte des Raumes ein alter Ofen, das war natürlich unser Platz, denn es wurden -6 Grad in der Nacht. Und dann haben wir einfach die Stimmung wirken lassen, ein nettes Gespräch mit einem Anwohner geführt, der uns sagte, dass der Ofen und der verstaubte Adler an der Decke schon da waren, als er als Dreijähriger im Laden eingekauft hat. Er verriet uns noch, dass das Anfang der 60 Jahre war.
Wir haben hier auch eine Winery gefunden, die "Becker" heißt, und natürlich haben wir sie besucht, um wirklich guten Wein zu trinken. Auf euch, Beckers ;-)! Dort haben wir ein Pärchen kennengelernt und er sprach wirklich gut deutsch, weil seine Oma Deutsche war und er mit der Sprache und jährlichen Besuchen in Deutschland groß geworden ist. Diese Begegnungen, und die mit dem Anwohner in Luckenbach, machen es immer nochmal interessanter für uns, weil man hören und sehen kann, wie das alltägliche Leben hier und deren Sichtweisen sind.
Heute waren wir dann Lyndon B. Johnson´s (amerikanischer Präsident nach JFK) Ranch, sein Geburtshaus und das Wohnhaus seiner Großeltern besuchen. Interessant, ein "Frontier" Haus zu sehen, das auch noch mit dem Leben eines ehemaligen Präsidenten verbunden ist. Auf dem Weg über die Ranch konnten wir auch schon ein paar Rinder sehen, allerdings Hereford, keine Longhorns. Trotzdem aufgrund deren Körpermasse schon echt beeindruckende Viecher! Wir warten allerdings noch auf unsere Longhorn Begegnungen...
Nachdem wir ein bisschen Präsidentengeschichte geschnuppert haben, sind wir dann noch wandern gegangen. Das ging erstaunlich gut mit Gerrits halb verheiltem Fuß (ja, Schlittenfahren ist gefährlich!) und wir sind bis auf den Gipfel des "Enchanted Rocks" geklettert und wieder runter. Tolle Aussicht und wir freuen uns umso mehr auf den Big Bend Nationalpark, der in einer Woche auf unserer Route steht und wo wir hoffentlich noch mehr in der Natur erleben können.
Die meisten Bilder sind auf der Travelmap, also bitte auch dort gucken, hier sind mehr die zusätzlichen, persönlicheren zu sehen.















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Lydia (Freitag, 23 Januar 2026 16:22)
Das Lied ist super �