Natürlich gibt es in Colorado eines im Überfluss: Berge! Und damit einher kommen auch Superlative, die die Amis so lieben. Nachdem wir also die höchste(n) Straßen der USA befahren hatten, haben wir uns auf den Weg zur höchstgelegenen eingetragenen Stadt der USA gemacht. Das ist Leadville, das zur Höchstzeit 30.000 Einwohner zählte. Sie war eine der Boom-Städte in der Gold und Silber Zeit, existiert aber heute auch noch weiter - nur mit deutlich weniger Einwohnern.
Auf dem Weg dorthin haben wir eines der benannten Waldfeuer passiert. Es brennt hier an verschiedenen Stellen vor sich hin, wird aber auch gelöscht oder zumindest eingedämmt, so dass keine Menschen zu Schaden kommen. In Leadville konnten wir die Auffangstation der Evakuierten beim lokalen Krankenhaus sehen. Leider hatte das Feuer am Rande der Stadt zur Folge, dass wir den See, der türkisblau und wunderschön sein soll, nicht sehen konnten, da die Straße gesperrt war. Ehrlicher Weise verblassen bei den vielen Gipfeln und Seen, die wir bis jetzt schon gesehen haben, sogar bei uns schon langsam die Erinnerungen, was wo war, also war das nicht ganz so schlimm. In Leadville sind wir herumspaziert und haben in einem alten Hotelrestaurant gegessen, das sehr schön eingerichtet, von der Speisekarte her eher schmal geschnitten und geschmacklich nicht wirklich gut war. Egal, es ging um das Ambiente und darum sich vorzustellen, wie sich Minenarbeiter, Glücksuchende und dann auch die ersten Touristen hier getroffen haben.
Selbstverständlich haben wir auch bei einer Geisterstadt halt gemacht und uns die teilweise gut erhaltenen Überreste eines florierenden kleinen Ortes angesehen. Der lokale Hotelbesitzer war ein Deutscher. Schicksal dieser Geisterstadt: weniger Silber, mehr Regulierungen und andere Städte wie Aspen, die mehr im Kommen waren. Die letzten 100 Einwohner sind geflohen, als ein sehr fieser Winter kam und sie von der Versorgung abgeschnitten hat. Fun Fact: sie sollen sich Holzskier gebaut und ein Wettrennen nach Aspen veranstaltet haben auf dieser Flucht. Wetteinsatz war ein Sandwich pro Teilnehmendem. Ob das wirklich stimmt, weiß ich nicht, aber ich finde charmant, dass manche Menschen selbst aus der größten Not noch einen Spaß machen können.
Mal wieder waren alle unsere Stellplätze wild und irgendwo auf einem Berg. Manchmal treffen wir auf dem Weg lokale Wissensträger, die uns bestätigen, dass wir mit dem Monster auch da rauf und wieder runter kommen. Das hilft immer dann sehr gut, wenn die Wege holpriger und enger werden, so dass wir auch kaum umdrehen könnten. Notfalls haben wir immer noch Luis mit seinem VW Bus als Scout, der diese Aufgabe auch gerne wahrnimmt und vorne weg braust. Alle Stellplätze waren bisher sicher, schön gelegen und haben uns gleichzeitig das Abenteuer der Zufahrt geboten. An den Wochenenden staunen wir dann immer nicht schlecht, wenn plötzlich Horden von Campern in ihren Autos, Trucks, ATVs und teilweise Teslas (!) an uns vorbeifahren und irgendwo ihr Lager aufschlagen. Naja, auf dem Weg runter haben wir es schon mal so machen müssen, dass ich im Jeep vorgefahren bin und Gerrit von Ausweichbucht zu Ausweichbucht gefahren ist, weil dazwischen einfach nur Grobi und nichts anderes mehr auf den Weg gepasst hätte.
Und dann, wenn man denkt, man steht zivilisiert in der Nähe vom berühmten Skiort Aspen auf einem Campground, kommt man abends nach Hause und ein Bär sitzt in der Baumkrone neben einem und frisst genüsslich die Früchte des Baumes. Unsere erste echt nahe Begegnung mit einem Schwarzbären, glücklicher Weise total friedlich und aus der Sicherheit des Autos heraus. Ich fand es toll, dass der Bär sich ausgewogen ernährt und Gerrit fand, dass sich nur so eine komische Person wie ich daran freuen könnte. Als sich am nächsten Morgen ein armes Rehlein aus den Büschen neben uns heraus stahl, haben wir uns trotzdem erst einmal erschrocken.
Soho, Aspen... eine nette Stadt, tolle Gipfel drumherum, aber voller reicher Menschen an einem Samstagabend, die ihre Hunde Gassi geführt und in den teuren Restaurants der Innenstadt gegessen haben. Ich hatte so viel Skrupel beim Spaziergang durch die Innenstadt, dass wir uns nirgendwo reingesetzt haben. Und Gerrit meinte nur sehr trocken, aber trotzdem passend:"Na und, dann sehen wir halt aus wie Aldi bei all denen hier!" Egal, wir haben die Architektur und den Erhalt der Gebäude bewundert (Korrektur: ICH habe das bewundert), haben uns beim John Denver Gedenkpark für "unser" Lied Country Roads posthum bei ihm bedankt und sind dann wieder durch die wunderschöne Landschaft zurück zu unserem Campingplatz gefahren. Die Tochter unserer Freundin war letztes Jahr für ein Jahr hier und ich muss sagen, die Bergflüsse mit ihren Fliegenfischern, die roten Bergklippen, die hübschen Holzhäuschen und die saftigen Wiesen haben bei mir den Eindruck hinterlassen, dass sie eine gute Zeit hier gehabt haben muss :-)! Natürlich weiß ich, dass sie die auch hatte...
Wir haben mal wieder eine anstrengende Wanderung hinter uns gebracht und die Maroon Bells, quasi Hausberge von Aspen, aus der Ferne/Nähe gesehen. Die Höhen hier machen uns in unterschiedlicher Weise zu schaffen und wenn es nur Kurzatmigkeit ist. Aber, es hat trotzdem Spaß gemacht und wir haben den Abend ganz entspannt mit den geschwollenen Füßen im See verbracht. Natürlich behauptet Luis nun zu Recht, der fitteste von uns zu sein.. blabla ... schon okay...
Von dort aus sind wir in den südlicheren Westen des Staates gefahren und auf dem Ende des Weges hatte ich kurfristig Angst, dass wir zuweit gefahren und schon in New Mexico oder Arizona sind. Die Landschaft hat sich nach einer zähen bergauf Strecke schlagartig beim bergab Fahren verändert und wir sind durch Wüste, weite Felder und Ebenen gefahren. In Montrose haben wir den nächsten wilden Stellplatz angesteuert und uns nach getaner Arbeit (Tanken, Waschen im Waschsalon) mit einem leckeren Cocktail in einer lokalen Destillerie belohnt. Montrose ist der Ausgangspunkt für den Black Canyon, der auch ein Nationalpark ist, aber wohl eher einer der unbekannteren. Trotzdem gibt es auch hier Superlative, nämlich dass er eine der tiefsten Schluchten der USA ist und die höchste Klippen in Colorado hat. Wir haben einfach die 12 Aussichtspunkte genossen, sind abends im Gewitter bei unserem Stellplatz offroad gefahren (okay, ich saß mit meiner Gewitterangst alleine in Grobi und habe Gerrit und Luis angstvoll durch das Fernglas beim Fahren verfolgt) und haben eine recht lange Zeit in einem Museum verbracht, das eine einzelne Person über 80 Jahre zusammengetragen und Museum of the West genannt hat. Die einzelnen Räume waren Geschäften vom Ende des 19 Jahrhunderts und später nachempfunden und ähnelten Wimmelbildern! Herrlich, genau etwas für mich! Sooo viel zu entdecken und erspähen. Aber, wir hatten tatsächlich alle Spaß, inkl. Luis.
Heute haben wir uns auf den Weg Richtung Ouray und noch mehr Bergen gemacht, sind in einem Statepark, um auch Grobis Tanks wieder zu entlasten und Wasser aufzuladen. Dieses Mal haben wir es gerade über eine Woche komplett autark geschafft, aber wir sind ja auch zu dritt!


















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